Praxis

Nach dem Relaunch: welche URLs sind verschwunden?

Kein Relaunch geht ohne Verluste ab. Die Frage ist nur, ob du sie findest, bevor Google es tut.

Warum die üblichen Prüfungen nicht reichen

Nach einem Relaunch wird meist die Weiterleitungsliste abgehakt und die Sitemap geprüft. Beides ist richtig und beides übersieht denselben Fall: URLs, die es vorher gab, die aber in keiner Liste stehen – weil sie über die Jahre entstanden sind und niemand mehr an sie gedacht hat.

Die Search Console meldet sie erst, wenn Google sie erneut crawlt. Das dauert Tage bis Wochen. In dieser Zeit verlierst du still Rankings.

Der zuverlässige Weg: vorher und nachher crawlen

Ein vollständiger Crawl vor dem Relaunch ist die einzige belastbare Bestandsaufnahme. Danach ein zweiter – und die Gegenüberstellung beantwortet drei Fragen auf einmal:

  • Welche URLs sind weg? Sie waren im alten Crawl und fehlen im neuen.
  • Welche liefern jetzt Fehler? Statuscode von 200 auf 404 oder 500.
  • Welche sind neu? Oft mehr als geplant – Filter- und Parameterseiten vermehren sich gern.

Wichtig ist der Crawl vor dem Umbau. Danach ist die Ausgangslage nicht mehr rekonstruierbar.

Nicht jede verschwundene URL ist ein Problem

Hier trennt sich sorgfältige Arbeit von Aktionismus. Eine URL kann aus dem Crawl verschwinden, ohne dass etwas kaputt ist:

  • Interner Link entfernt. Der Crawler folgt Links. Ist die Seite nicht mehr verlinkt, findet er sie nicht – erreichbar und indexiert kann sie trotzdem sein.
  • Bewusst entfernt. Alte Kampagnenseiten sollen weg. Dann ist ein 410 die ehrlichere Antwort als eine Weiterleitung auf die Startseite.
  • Zusammengelegt. Zwei dünne Seiten wurden eine gute. Weiterleitung setzen, fertig.

Für die Frage „ist die Seite noch im Index" ist nicht der Crawler zuständig, sondern die URL-Inspektion – die fragt direkt bei Google nach.

Prioritäten setzen

Bei mehreren hundert betroffenen URLs brauchst du eine Reihenfolge. Sinnvoll ist:

  1. URLs, die vorher Klicks hatten – die Performance-Daten sagen dir, welche das waren
  2. URLs mit vielen internen Links – sie tragen Struktur
  3. URLs aus der Sitemap – du hast sie Google aktiv gemeldet
  4. Der Rest

Eine Seite ohne Klicks, ohne Links und ohne Sitemap-Eintrag ist selten den Aufwand wert.

Weiterleitungen richtig setzen

  • 301 auf das inhaltlich passende Ziel – nicht pauschal auf die Startseite. Google wertet pauschale Weiterleitungen als Soft-404.
  • 410 für bewusst entfernte Inhalte. Das ist klarer als 404 und beschleunigt die Bereinigung.
  • Keine Ketten. Jede Zwischenstation kostet. Direkt auf das Endziel.

Nachkontrolle

Zwei bis vier Wochen nach dem Relaunch ein dritter Crawl. Im Vergleich zum Crawl direkt nach dem Umbau siehst du, ob die Weiterleitungen greifen und ob neue Probleme entstanden sind.

Wie die Gegenüberstellung im Detail funktioniert, steht auf der Seite zum Crawl-Vergleich.

Häufige Fragen

Was, wenn ich vor dem Relaunch nicht gecrawlt habe?

Dann bleibt die Auswertung der Performance-Daten: URLs, die vorher Klicks hatten und jetzt keine mehr bekommen, sind die heißen Kandidaten. Weniger vollständig als ein Crawl, aber besser als nichts.

Wie lange sollte ich Weiterleitungen behalten?

Mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Sie kosten kaum etwas, und externe Links auf alte URLs verschwinden nicht von selbst.

Soll ich alle alten URLs weiterleiten?

Nein. Seiten ohne Klicks, ohne eingehende Links und ohne Sitemap-Eintrag brauchen keine Weiterleitung. Ein sauberer 410 ist dort die bessere Antwort.