Grundlagen

Sichtbarkeitsindex: Was die Tools eigentlich messen

Fast jedes SEO-Tool hat einen eigenen Sichtbarkeitswert. Verglichen werden sie trotzdem selten – weil sie kaum vergleichbar sind.

Zwei grundverschiedene Ansätze

Sichtbarkeitswerte lassen sich in zwei Lager teilen, und das erklärt die meisten Missverständnisse.

Keyword-Set-basiert

Sistrix, Xovi, SEMrush und ähnliche pflegen ein festes Set von Keywords – je nach Anbieter Hunderttausende bis Millionen. Für jedes wird regelmäßig geprüft, wo eine Domain steht. Aus Position und geschätztem Suchvolumen entsteht ein Punktwert.

Stärke: Domains lassen sich untereinander vergleichen, weil alle am selben Maßstab gemessen werden. Das ist der eigentliche Zweck.

Schwäche: Der Wert bildet nur ab, was im Set enthalten ist. Wer über Longtail-Anfragen lebt, die dort nicht vorkommen, ist für das Tool praktisch unsichtbar – obwohl real Traffic ankommt. Und das Suchvolumen ist geschätzt, nicht gemessen.

Eigendaten-basiert

Der andere Ansatz nutzt die tatsächlichen Daten der eigenen Property aus der Search Console. Gemessen wird, was real passiert ist: Impressionen, Klicks, Positionen über alle Suchanfragen hinweg.

Stärke: Keine Stichprobe, keine Schätzung. Auch Longtail und Nischenanfragen zählen mit.

Schwäche: Fremde Domains lassen sich nicht messen – niemand hat Zugriff auf deren Search Console. Ein direkter Wettbewerbsvergleich ist damit ausgeschlossen.

Warum die Werte nicht ineinander umrechenbar sind

Ein Sistrix-Sichtbarkeitsindex von 0,5 und ein SCI von 62 beschreiben verschiedene Dinge. Der eine misst Position in einem definierten Keyword-Set, der andere die tatsächliche Suchperformance einer Property.

Beide können gleichzeitig steigen und fallen – oder auseinanderlaufen. Ein häufiger Fall: Der Keyword-Set-Wert stagniert, während die eigenen Daten deutlich mehr Klicks zeigen. Dann wächst du über Anfragen, die im Set schlicht nicht vorkommen.

Was ein Wert ohne Bezugsgröße wert ist

Wenig. Ist ein SCI von 62 gut? Ohne zu wissen, was vergleichbare Websites erreichen, lässt sich das nicht sagen – für einen Nischenblog wäre er stark, für einen großen Shop schwach.

Deshalb ist die Einordnung wichtiger als der Absolutwert. Die kann auf zwei Wegen entstehen:

  • Zeitlich. Wie hat sich der Wert entwickelt? Das ist die belastbarste Aussage, weil Methodik und Datengrundlage konstant bleiben.
  • Gegen eine Vergleichsgruppe. Wie stehen ähnlich große Websites derselben Branche da? Dafür braucht es aggregierte Werte über viele Teilnehmer – siehe SCI-Benchmarking.

Worauf du bei jedem Sichtbarkeitswert achten solltest

  1. Was ist die Datengrundlage? Stichprobe oder Vollerhebung, geschätzt oder gemessen.
  2. Wie oft wird aktualisiert? Wöchentliche Werte reagieren träge auf schnelle Veränderungen.
  3. Was fließt ein? Nur Position, oder auch Klickrate und tatsächliche Klicks?
  4. Wie weit reicht die Historie? Ohne Vorjahresvergleich lässt sich Saisonalität nicht von einem Trend unterscheiden.

In der Praxis

Die beiden Ansätze schließen sich nicht aus. Ein Keyword-Set-Wert beantwortet „wie stehe ich gegen den Wettbewerb", ein eigendatenbasierter Wert beantwortet „wie gesund ist meine Suchperformance". Das sind zwei verschiedene Fragen.

Problematisch wird es erst, wenn man sie gegeneinander ausspielt – oder erwartet, dass beide zur selben Zeit in dieselbe Richtung zeigen.

Wie der SCI im Detail rechnet, steht auf der SCI-Seite.

Häufige Fragen

Warum zeigt mein Sichtbarkeitsindex etwas anderes als meine Klicks?

Weil er meist auf einem festen Keyword-Set beruht und Positionen gewichtet, nicht tatsächliche Klicks. Wächst du über Anfragen außerhalb des Sets, sieht das Tool davon nichts.

Kann ich mit eigendatenbasierten Werten Wettbewerber messen?

Nein. Sie beruhen auf der Search Console der eigenen Property – fremde Domains lassen sich damit grundsätzlich nicht erfassen.

Welcher Wert ist der richtige?

Beide beantworten verschiedene Fragen. Für die Wettbewerbseinordnung ein Keyword-Set-Wert, für die eigene Suchgesundheit ein Wert aus den eigenen Daten.