SEO-Traffic eingebrochen? So grenzt du die Ursache systematisch ein
Der Traffic bricht ein und die erste Reaktion ist meist die falsche: hektisch an der Website schrauben. Diese Reihenfolge spart Stunden.
Zuerst: Ist es überhaupt ein Einbruch?
Erstaunlich viele vermeintliche Einbrüche sind keine. Drei Dinge, die du prüfst, bevor du irgendetwas änderst:
- Datenverzug. Die Search Console liefert die letzten zwei bis drei Tage unvollständig. Wer heute auf gestern schaut, sieht fast immer einen „Einbruch".
- Wochentag. Suchdaten haben einen starken Wochenrhythmus. Ein Montag gegen einen Sonntag verglichen ergibt zuverlässig ein Minus – das nichts bedeutet.
- Zeitraumgrenze. Vergleichst du 28 Tage gegen 28 Tage oder gegen einen Monat mit 31 Tagen? Drei Tage Unterschied sind rund 10 Prozent.
Der saubere Vergleich ist immer: gleicher Wochentag, gleiche Zeitraumlänge, mit Abstand zum heutigen Datum.
Dann: Klicks oder Impressionen?
Diese Unterscheidung halbiert den Suchraum sofort.
| Beobachtung | Wahrscheinliche Richtung |
|---|---|
| Impressionen stabil, Klicks weg | Snippet, SERP-Layout, neue Anzeigen oder KI-Antworten über dir |
| Impressionen weg, Position stabil | Suchvolumen gesunken – Saisonalität oder Nachfrage |
| Impressionen weg, Position schlechter | Ranking-Verlust – Update oder Wettbewerb |
| Beides weg, plötzlich | Technisch: Indexierung, Sperre, Serverfehler |
Bei plötzlichem Totalausfall: technisch prüfen
Ein Absturz über Nacht ist selten inhaltlich. Prüfe in dieser Reihenfolge:
- Ist die robots.txt versehentlich restriktiv geworden?
- Steht auf wichtigen Seiten ein
noindex? - Liefern die Seiten noch Status 200 – oder plötzlich 404 und 500?
- Zeigen die Canonicals noch dorthin, wo sie sollen?
Genau hier hilft ein Vergleich zweier Crawls: Er zeigt, welche URLs seit dem letzten Durchlauf einen anderen Statuscode liefern. Das ist die schnellste Antwort auf „was hat sich technisch geändert".
Bei schleichendem Rückgang: Zeitraum ausweiten
Ein Minus von 15 Prozent über vier Wochen kann Zufall sein. Über sechs Monate ist es ein Trend. Und wenn die Kurve im Vorjahr zur selben Zeit denselben Verlauf hatte, ist es Saisonalität – keine Handlungsaufforderung.
Das setzt allerdings voraus, dass du die Daten noch hast. Googles 16-Monate-Grenze macht den Vergleich mit dem Vorjahr für ältere Zeiträume unmöglich – der Vorjahresmonat ist schon weg, wenn du ihn brauchst.
Zuletzt: War es ein Core Update?
Erst wenn die Punkte oben abgearbeitet sind, lohnt der Blick auf Updates. Und auch dann gilt: Ein zeitlicher Zusammenhang ist kein Beweis. Prüfe, ob der Rückgang auf bestimmte Seitentypen oder Themen begrenzt ist – ein breiter Rückgang über alle Bereiche spricht eher für etwas Technisches.
Warum feste Warnschwellen dabei wenig helfen
„Melde mich bei minus 20 Prozent" klingt vernünftig, funktioniert aber schlecht. Bei einer Website, die täglich um 30 Prozent schwankt, feuert die Regel dauernd. Bei einer sehr gleichmäßigen Seite verpasst sie einen echten Einbruch von 15 Prozent.
Sinnvoller ist ein Maßstab, der die normale Schwankung der jeweiligen Website kennt und gleiche Wochentage vergleicht. Wie das statistisch funktioniert, steht auf der Seite zur Anomalie-Erkennung.
Die Kurzfassung
- Datenverzug, Wochentag und Zeitraumlänge ausschließen
- Klicks gegen Impressionen stellen
- Bei plötzlichem Ausfall: Technik prüfen
- Bei schleichendem Rückgang: Zeitraum ausweiten, Vorjahr vergleichen
- Erst dann über Updates nachdenken
Häufige Fragen
Wie lange sollte ich abwarten, bevor ich reagiere?
Bei einem plötzlichen Totalausfall sofort prüfen – das ist meist technisch. Bei einem Rückgang von 10 bis 20 Prozent mindestens eine volle Woche abwarten, sonst reagierst du auf Rauschen.
Woran erkenne ich Saisonalität?
Am Vorjahresvergleich. Zeigt derselbe Zeitraum im Vorjahr denselben Verlauf, ist es die Nachfrage und nicht deine Website. Dafür brauchst du allerdings Daten, die älter als 16 Monate sind.
Impressionen stabil, aber Klicks weg – was tun?
Das deutet auf die Suchergebnisseite hin, nicht auf dein Ranking. Prüfe, ob über dir neue Elemente erschienen sind, und sieh dir Titel und Description der betroffenen Seiten an.